Besondere Stadtführung zu historischen Marken-Unternehmen

Handel und Wandel - Geschichten von Unternehmern in München im Filter des Elevator Pitch

Edle und klangvolle Namen wie Dallmayr, Ludwig Beck, Nymphenburger Porzellan oder Ed Meier vereinigt ein besonderer Marken-Titel. Sie alle waren königlich bayerische Hoflieferanten. Als Auszeichnung durften sie das königliche Wappen führen. Und mit dieser Eigenschaft machen sie auch heute noch erfolgreich Werbung.

Während einer Führung zu den jeweiligen Stammhäusern interessierte sich Mr. Elevator Pitch besonders für die Bildung dieser alten Marken und wie sie zu ihrem heutigen Ruf gekommen sind.


Was können wir heute davon lernen?

Eine Menge, auch wenn es um emotionale Kommunikation und Elevator Pitch geht. Eine Gruppe von 20 Selbständigen begab sich auf eine „Spurensuche“ mit der Theaterhistorikerin Anette Spieldiener. An den jeweiligen Geschäftshäusern illustrierten Geschichte und Kuriositäten die Bedeutung der heutigen namhaften Marken.


Die Zertifizierung zum „ königlich bayerischen Hoflieferanten“

Vieles, was wir heute als modern kennen, ist gar nicht so neu. Wie konnte man königlich bayerischer Hoflieferant werden? Die Kriterien dafür können wir getrost eine Art Zertifizierung nennen. Der Unternehmer sollte sein Geschäft schwungvoll betreiben, Innovationen voranbringen, einen guten Leumund haben - also eine gute Öffentlichkeitsarbeit machen - und international auftreten. Das klingt, als wär’s von heute. Allerdings konnte auch der König ein Geschäft kurzerhand zum Hoflieferanten machen, wenn er spontan Lust dazu hatte.

Haben Sie beispielsweise gewusst, dass das Palais des Antiquitätenhändlers Bernheimer damals eine perfekte Lage hatte: Genau auf dem Weg vom Hauptbahnhof zur Residenz, dem Zentrum der Macht und der damaligen Stadtmitte.

Bereits im 19. Jahrhundert bezog sich die Werbung des Hauses Dallmayr bereits auf Tradition. Das Haus Ludwig Beck schaffte seinen Aufstieg mit Bändern und Bordüren, die für die damalige Mode unverzichtbar waren. Und Ludwig II ließ die Bühnenbilder seiner Theaterprojekte mit Stoffen und Bändern aus diesem Geschäft ausstatten. So machte er Ludwig Beck kurzerhand zum Hoflieferanten.


Das Königshaus als Inkubator

Vom Schuh zur ModeAuch gab es Unternehmensgründungen direkt aus Königshand. Nymphenburger Porzellan, die Hofpfisterei und das Hofbräuhaus mit Brauerei wurden auf königliche Anordnung etabliert. Das Königshaus als Inkubator? Besonders das Hofbräuhaus verdient nicht nur gutes Geld, sondern zahlt auch reichlich in den Markenwert der Stadt München ein. Da freut sich der bayerische Finanzminister doppelt.

Marstaller führt seit Gründung Taschen und damals auch Reisekoffer. Da wurden die Märkte schon diversifiziert. Es gab Reisekoffer für die Schifffahrt und andere hip und innovativ für das Auto. In der Geschichte ist belegt, das Benno Marsteller sich auch einen Namen damit machte, für einige Stunden lebendige „Schaufensterpuppen“ zu zeigen. Heute machen das Unternehmen mittels Live-Stream übers Internet.

Eine Erkenntnis hat sich durch die Jahrhunderte erhalten, wenn es dabei geht, seine Idee oder sein Business erfolgreich zu machen und zu halten: Unternehmerpersönlichkeiten lassen nicht locker.

Ed Meier Schuhe und ModeAm Ende der Tour begrüsste der Inhaber des Traditionsgeschäfts Ed Meier die Spurensucher zu einem Cocktail und erläuterte seine Philosophie. Eine Äußerung ist besonders im Gedächtnis geblieben, wenn das eigene Geschäft auf Dauer Bestand haben soll: „Der Schuster soll bitte nicht bei seinem Leisten bleiben.“

Auch schon die Hoflieferanten wechselten durchaus den Kern ihres Geschäfts, wenn sie bemerkten, dass der Höhepunkt ihres aktuellen Kerngeschäfts überschritten war. Heute nennen wir das ganz modern disruptives Denken. Vieles, was heute modern ist, haben unsere selbständigen Vorgänger auch schon gekannt.

Joachim Skambraks - Mr. Elevator Pitch


 

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